Leg doch mal das Handy weg!
Wer von uns Eltern kennt diesen Satz nicht? Wir rufen ihn durchs Wohnzimmer, während die Kids stumm am Display hängen und nicht reagieren. Doch wie oft liegt unser eigenes Smartphone griffbereit am Esstisch?
Wie schaffen wir es als Familien, aus dieser ständigen Erreichbarkeit und dem endlosen Scrollen auszusteigen? Wir haben dazu mit Doris Rittberger, der Autorin von „Fuck Social Media“ gesprochen und sie gefragt, wie wir uns die Kontrolle über unsere Zeit und Aufmerksamkeit zurückholen.
WIENXTRA: „Wir erwischen uns täglich dabei, ‚nur mal kurz‘ nachzusehen und dann 20 Minuten lang hängenzubleiben. Warum fällt es uns eigentlich so schwer, das Smartphone einfach wegzulegen?“
Rittberger: „Wir haben uns daran gewöhnt, bei jedem Surren oder Aufleuchten sofort nachzuschauen: Gibt es etwas Neues? Bloß nichts verpassen. Darauf sind wir regelrecht konditioniert. Viele merken gar nicht mehr, wie häufig sie ganz automatisch zum Handy greifen. Der erste Schritt ist deshalb, sich diesen Automatismus überhaupt bewusst zu machen und gezielt gegenzusteuern. Also auch einmal zu sagen: Nein, jetzt nicht. Oder kurz innezuhalten und sich zu fragen: Was will ich gerade eigentlich? Was erwarte ich mir konkret davon, ausgerechnet jetzt zum Handy zu greifen?“
WIENXTRA: „Social-Media-Plattformen und Games sind ja darauf ausgelegt, uns möglichst lange zu binden. Welche Tricks der App-Entwickler funktionieren besonders gut und warum sind 10- bis 15-Jährige nochmal viel empfänglicher als wir?“
Rittberger: „Da kommt einiges zusammen. Die Plattformen arbeiten mit sogenanntem Addictive Design – also mit Funktionen, die ganz bewusst dafür sorgen sollen, dass wir möglichst lange dabeibleiben und immer wieder zurückkommen. Der endlose Feed ist so ein Trick: Es gibt keinen natürlichen Punkt, an dem Schluss wäre. Dazu kommen Autoplay, Push-Nachrichten, rote Punkte, Likes, Kommentare, Streaks oder Belohnungen in Games. Und besonders wirksam ist, dass wir nie genau wissen, was als Nächstes kommt. Vielleicht ist der nächste Post langweilig – vielleicht ist er aber auch wahnsinnig lustig, aufregend oder genau das, was uns interessiert. Also scrollen wir noch einmal. Und noch einmal. Diese unvorhersehbaren kleinen Belohnungen halten unser Dopaminsystem bei Laune.
Bei 10- bis 15-Jährigen trifft dieses ausgeklügelte System auf ein Gehirn, das noch mitten in der Entwicklung steckt. Das Belohnungssystem reagiert in diesem Alter besonders stark, während jene Bereiche, die für Impulskontrolle und Selbstregulation zuständig sind, noch nicht fertig entwickelt sind. Gleichzeitig wird die Meinung der anderen enorm wichtig: Dazugehören, gesehen werden, Likes bekommen, nichts verpassen. Genau mit diesen Bedürfnissen spielen Social Media und Games.
Das ist also kein fairer Kampf. Auf der einen Seite sitzt ein zehn-, zwölf- oder vierzehnjähriger Mensch, der gerade erst lernt, sich selbst zu regulieren. Auf der anderen Seite stehen hochprofessionelle Unternehmen, Algorithmen und ganze Teams, deren Job es ist, seine Aufmerksamkeit möglichst lange festzuhalten. Deshalb ist es zu einfach, Kindern zu sagen: ‚Dann leg das Handy halt weg.‘ Wir müssen ihnen erklären, welche Mechanismen dahinterstecken – denn erst wenn ich den Trick durchschaue, kann ich mich ihm bewusst entziehen. Gleichzeitig braucht es attraktive Alternativen, die zeigen, wie begrenzt und durchschaubar die Onlinewelt oft ist. Und nicht zuletzt braucht es Vorbilder: Erwachsene, die vorleben, wie digitale Unabhängigkeit funktionieren kann.“
WIENXTRA: „Wenn wir ab heute etwas verändern wollen: Welche drei Tricks helfen einer Familie sofort, die Kontrolle über die Bildschirmzeit zurückzugewinnen?“
Die Antwort liest du im vollständigen Interview in unserem Kinderinfo-Blog. |