Allein mit dem Rad durch Wien?
Was brauchen unsere Kids, um selbstständig und gerne mit dem Rad durch Wien zu düsen? Wir haben mit Dr.in Hildegard Hefel gesprochen, sie ist Leiterin der Mobilitätsbildung bei der Mobilitätsagentur Wien.
WIENXTRA: „Wenn man durch Wien geht, sieht man viele Teens auf E-Scootern oder in der U-Bahn, aber erstaunlich wenige auf dem eigenen Fahrrad. Täuscht dieser Eindruck oder gibt es tatsächlich eine Lücke bei den 10- bis 15-Jährigen und woran liegt das?“
Hildegard Hefel: „Die Stadt Wien erhebt jährlich Daten zur Verkehrsmittel-Nutzung. Und die Zahlen zeigen: In den letzten Jahren sind junge Wiener*innen auf dem Weg zur Schule oder Ausbildung insgesamt öfter mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs. Der Radanteil bei Jugendlichen hat sich seit 2010 sogar vervierfacht.
Was man bedenken muss: Radfahren ist auch eine soziale Frage. Je älter die Kinder werden, desto teurer werden auch die Fahrräder. Nicht alle Familien können sich das leisten. Unser Ziel ist es daher, das Radfahren allen Jugendlichen näher zu bringen – etwa durch kostenlose Radfahrkurse der Mobilitätsagentur Wien, die extrem gut nachgefragt werden.
Und ja: nicht bei allen Jugendlichen dieser Zielgruppe hat das Fahrrad den nötigen Coolnessfaktor.“
WIENXTRA: „Ab 10 Jahren (mit Radfahrführerschein) bzw. 12 Jahren müssen Kids vom Gehsteig auf die Fahrbahn wechseln. Was fehlt in Wien aktuell noch an Infrastruktur, damit sich Jugendliche und ihre Eltern in diesem Alter auf zwei Rädern sicher fühlen?“
Hildegard Hefel: „Ob auf dem Gehsteig gefahren werden darf oder nicht, hängt vom Fahrzeug ab, nicht vom Alter. Auf dem Gehsteig dürfen Kinder mit Tretroller/Miniscooter fahren oder mit kleinen Kinderfahrrädern, deren Felgendurchmesser 30 cm (ca. 12 Zoll) nicht überschreiten.
Damit Jugendliche sicher und selbstständig mit dem Rad unterwegs sein können, brauchen sie ausreichend breite Radwege, die Schutz vor dem Autoverkehr bieten. Auch Tempo 30 im Mischverkehr sowie sichere Querungsmöglichkeiten sind hilfreich.
In Wien wurde das Radwegnetz in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Doch Infrastruktur ist nur die eine Seite. Das beste Training für Jugendliche ist das gemeinsame Fahren im Alltag. Wenn sie früh daran gewöhnt sind, bewegen sie sich auch als Jugendliche souverän und sicher im Verkehr. Hier sind wir als Erwachsene gefordert, dies Kindern zu ermöglichen.“
WIENXTRA: „Wie können wir als Eltern unseren Teenies das Radfahren schmackhafter machen und welche einfachen Praxistipps gibt es für den gemeinsamen Umstieg im Herbst?“
Hildegard Hefel: „Wir Menschen sind „Gewohnheitstiere“: Je früher Kinder zusammen mit Erwachsenen mit dem Fahrrad unterwegs sind, desto rascher lernen sie das richtige und sichere Verhalten im Straßenverkehr. Je öfter sie im Alltag radeln, desto selbstverständlicher greifen sie auch als Jugendliche zum Fahrrad. Ein starkes Argument bei Teenies ist dabei die eigene Unabhängigkeit: Das Rad bietet ihnen die Freiheit, flexibel und ohne Eltern oder Fahrpläne von A nach B zu kommen.
Ein idealer Einstieg für mehr Routine ist der Schulweg. Der Herbst lockt nach draußen mit angenehmen Temperaturen, goldenem Sonnenlicht und buntem Herbstlaub. Gemeinsam verabredete „Rad-Gruppen“ mit Schulfreund*innen machen den Weg unterhaltsamer. Da fällt es leichter, gleich in der Früh zu Fuß oder mit dem Rad in den Tag zu starten.“
Tipp fürs Wochenende: Gratis Rad-Coaching für deine Kids
Du möchtest, dass dein Kind vor dem ersten Alleingang durch Wien noch mehr Sicherheit auf zwei Rädern gewinnt? Die Mobilitätsagentur Wien bietet an den Wochenenden kostenlose Radfahrtrainings mit zertifizierten Trainer*innen an (z. B. im Radmotorikpark Kaisermühlen oder Am Schöpfwerk). Einfach ohne Voranmeldung vorbeikommen – Leihräder und Helme gibt es vor Ort gratis! |